Welcome to Alcatraz, oder wie wir der Gefängnis-Insel entkamen

Michael
Michael

Auf zur berüchtigten Insel in der Bucht von San Francisco

Für den Abend des 2. Tages in San Francisco haben wir uns die Alcatraz Abend Tour gebucht. Wir wollten den Sonnenuntergang mal ganz anders erleben.

Los geht es immer am Pier 33. Dort befinden sich die Informationsstände und Ticket-Verkäufe. Wer versucht hier ein Last Minute Ticket zu erhalten wird zu 99% enttäuscht, da gerade im Sommer eine Vorlaufzeit von mindestens 3-4 Wochen eingehalten werden muss.

Wir hatten unsere Tickets bereits 2 Monate zuvor von zu Hause aus online bestellt und ausgedruckt. Dies ist auch für jeden empfehlenswert, der “The Rock” besuchen möchte.

Beginnen wir unsere Reise aber einmal mit der Geschichte dieser Sagenumwobenen Insel in der eiskalten Bucht vor San Francisco.

Die ersten Infos zur Insel

Der Weg auf die Insel erfolgt einzig und alleine auf dem “Seeweg” klar, es gibt keine Brücke zu der 2 Kilometer entfernten und 8,5 Hektar großen Insel in der San Francisco Bay.

Damit Du auf Alcatraz eingestimmt bist, erhältst Du bereits während der Fahrt einige Informationen rund um die Insel, aus dem Grund gibt es hier ein paar Fakten für Dich:

Allgemeines zur Geschichte von Alcatraz

In der Zeit des Sezessionskrieges um 1861 war die Insel ein Fort mit integriertem Gefängnis.

Erst in den 1930er Jahren wurde sie als Gefängnisinsel umgebaut. The Rock war in der Zeit von 1934 bis 1963 in Betrieb als eines der bekanntesten und berüchtigten Hochsicherheitsgefängnisse der USA.

Die enormen Unterhaltungskosten, da selbst das Trinkwasser mit Schiffen zur Insel gebracht werden musste und die durch den Salz-Fraß stark angegriffene Bausubstanz sorgten letztlich für die Schließung von Alcatraz.

Auf der Insel

Angekommen auf der Insel, wurden wir in kleinere Gruppen aufgeteilt. Die Gruppe begleitet ein Park-Ranger, der etwas über Alcatraz, aber auch über den State Park erzählt, der hier entstanden ist. Viele Seevögel, sowie einige seltene Pflanzenarten trifft man hier an.

Auf dem Weg nach oben kamen wir am hölzernen Wachturm, dem Guard-House, dem Electric-Shop und der Ruine des Offiziers-Club vorbei. Genau diesen Weg sind damals alle Gefangenen gegangen. Damit wir als Besucher von Alcatraz ein Gefühl dafür bekommen, wie sich die Gefangenen damals gefühlt haben, beschritten wir den gleichen Weg nach oben zu Fuß. Personen mit einer Gehbehinderung oder ältere Menschen werden natürlich nach oben gefahren. Nach einer scharfen Linkskurve kamen wir, am Wasserturm vorbei, zum Eingang des Haupthauses.

Als wir das große Gebäude beteten haben, überlief uns einem ein mulmiges Gefühl. So war es also, wenn man als Neuankömmling auf Alcatraz landete…

Zunächst ging es durch die Kleiderabgabe zu den Duschen. An der Stelle an der die Häftlinge zu Ihren Zellen geführt wurden, erhält man seinen kostenlosen Audio-Guide in seiner Sprache. Mit den ersten Informationen auf dem Ohr geht es dann ein Stockwerk nach oben hinein in den eigentlichen Zellentrakt.

Der Zellentrakt - Ort der Geschehnisse

Der Sagenumwobene Gefängnistrakt von Alcatraz ist interessant anzusehen und erschreckend zugleich. Wir sahen direkt, dass die Insassen hier keine Privatsphäre hatten. Wenn der Wärter nicht reingeschaut hat, war es der Insasse aus der Zelle gegenüber.

Interessante Geschichten gab es natürlich hier vom Audio Guide zu hören.
Der Hauptgang des Blocks hatte den Beinamen “Times Square” erhalten, da hier immer eine Uhr hing, die man in der ganzen halle ticken hörte.
Die Gun-Gallery im obersten Stockwerk, war der einzige Ort an dem Wärter mit geladenen Waffen herumliefen. Damit kein Gefangener eine Waffe bekommen konnte, waren die Wärter im Zellentrakt unbewaffnet, erhielten aber im Ernstfall Schützenhilfe von den Kollegen 1 Etage darüber.
Wer genau hinsieht erkennt den Schlüssel der hier hängt. Mit diesem konnten die Wärter, die im Trakt ihren Dienst schoben wieder nach draußen gelangen. Der Wärter auf der Gun Gallery ließ ihn dazu an dem kleinen Ausleger herab. Das Loch, diente dazu den Schlüssel zu wechseln.
Der Hauptgang des Zellentrakts wurde auch “Broadway” genannt, da hier die Neuankömmlinge hindurch geführt wurden unter Rufen, Pfiffen und anderen hässlichen Dingen wie z.B. anspucken.

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Im gesamten Gefängnis, waren durchschnittlich nicht mehr als 250 Häftlinge gleichzeitig untergebracht. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit der Häftlinge betrug zehn Jahre. Sie durften nur einmal im Monat eine Stunde lang Besuch erhalten. Bei Regelverstößen wurden die Insassen in Isolationshaft genommen. Sie mussten 18 Tage in einer Einzelzelle, entweder jede Nacht mit konstanter Beleuchtung oder jeden Tag bei Dunkelheit, verbringen.

Alcatraz hatte zwei Aufgaben:

  1. Übernahme von Unruhestiftern aus anderen Gefängnissen, um Flucht, Gewalt und Selbstmordversuche zu verhindern.
         
  2. Übernahme von Häftlingen, um sie gebessert wieder in ein anderes Gefängnis zu schicken.
       

Von einer Resozialisierung war nie die Rede.

Weiter geht es durch das Gefängnis nach Draußen

Wer genug von den Geschichten und dem muffigen Zellenhaus hat, kann sich durch verschiedene Türen ins Freie bringen.

Eine davon müssen die Gefangenen geliebt und gleichzeitig gehasst haben. Zum einen konnten sie sich auf dem Recreation Yard sportlich betätigen und zum Anderen auf die Bucht von San Francisco und die Golden Gate Bridge schauen.

Wir gingen auch auf der anderen Seite vorbei an der Bücherei und den Besuchsbereichen und kamen dann zum Wardens Office, dem Administration Building. Dieses Haus ist direkt mit dem Haupttrakt verbunden und zeigt das Leben als Aufseher in diesem Hochsicherheitsgefängnis. Danach kamen wir über eine weitere Türe ins Freie. Hier hat man einen wunderbaren Blick auf San Francisco und die komplette Bucht. Schräg gegenüber liegt das Warden’s House, dem Haus in dem auch Wärter mit Familien wohnten um nicht jeden Tag mit dem Boot zur Insel fahren zu müssen. Auch der Leuchtturm befindet sich auf diesem Platz.

 

Die berüchtigen Insassen von Alcatraz

Im Innern des Gefängnisses gibt es viel weiteres zu entdecken. Beispielsweise die Bücherei, einem hohen Raum mit Platz zum lesen. Hier sahen wir auch Tafeln mit berüchtigten Insassen, die da z.B. wären:

  • Alphonse Gabriel “Al” Capone aka “Scarface” (1934–1939)
  • Robert Franklin Stroud (1942–1959)
  • George “Machine Gun” Kelly (1934–1951)
  • Alvin „Creepy“ Karpis (1936–1962)
  • Erich Gimpel (1945–1955) deutscher Spion.

Weitere Räume und interessantes im Haupthaus.

Im Untergeschoss befinden sich die bereits weiter oben angesprochenen Isolationszellen. Als wir die Türe nur kurz schlossen wurde es wirklich Stockfinster. Wir stellten uns kurz vor, den ganzen Tag in Dunkelheit und die ganze Nacht mit einer flackernden Glühbirne zu verbrinden und das über 2 Wochen  –  Schrecklich!
 
Nachdem wir die Stufen wieder nach oben geklettert waren und ein Stück weiter nach hinten über den “Times Square” gingen, landeten wir im Speisesaal und der Küche. Auf dem Bild der Küche sieht man ein interessantes Detail: Damit keine Stichwaffen entwendet werden, gab es für jedes Messer einen schwarzen Platzhalter. Dadurch erkannte man sofort ob und was genau gerade nicht an seinem Platz ist. Die Angestellten waren darauf getrimmt nach jedem Arbeitsschritt das Messer an seinen Platz zu hängen.
An der Decke des Speisesaales waren für Notfälle Tränengasbehälter installiert um Meutereien zu entschärfen. Diese wurden allerdings nie benutzt, da sich auch viele Wärter des Gefängnisses zur Essenszeit im Speisesaal aufhielten.

Was es noch aus der Geschichte zu wissen gibt

Alcatraz hatte als einziges Gefängnis in den USA Duschen mit ausschließlich warmem Wasser. Dadurch sollte die Gewöhnung der Häftlinge an kaltes Wasser für möglicherweise geplante Fluchtversuche verhindert werden.

Auch zur Abschreckung wurde die Geschichte verbreitet, dass rund um die Insel Menschenfressende Haie leben. Die einzigen Haie, die vor Alcatraz ihre Runden zogen, waren jedoch harmlose Katzenhaie.

Das Ende des Tages auf "The Rock"

Wir verließen am Abend die Insel, und bemerkten diese ganz besondere Stimmung, die uns umgab. Aufgrund des gelesenen, gehörten und erlebten ist es etwas, was wir so schnell nicht vergessen konnten. Nennen wir es mal eine Erfahrung die wir Euch auf jeden Fall ans Herz legen.

Leider waren wir an diesem Abend relativ spät dran und da wir den Sonnenuntergang sehen wollten, haben wir die Öffnungszeiten der Krankenstation im obersten Stockwerk verpasst. Mittlerweile ist dieser Bereich gesperrt, also ein weiterer Besuch der Insel wird für uns wahrscheinlich nicht mehr in Frage kommen, aber mal sehen.

Zum Schluss geht es wieder zurück zum Bootsanleger und dann mit dem Schiff zurück zum Pier33.

Unser Tipp:
Nehmt nicht die Abend Tour, sondern die späteste Tag-Tour. Diese beinhaltet zwar nur eine direkte Fahrt mit dem Boot zur Insel (Bei der Abend Tour geht es ein Stückchen weiter in Richtung Golden Gate Bridge, vorne an der Insel vorbei und nicht dahinter) aber da Du nicht auf ein Boot für die Rückfahrt gebunden bist, hast Du so viel mehr Zeit die Insel im eigenen Tempo zu erkunden. Es gibt hier nämlich noch viel mehr zu erleben. Des Weiteren ist die Tag-Tour auch günstiger.

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Fluchtversuche

In der Zeit als Militärgefängnis gab es mindestens 29 Versuche von der Insel zu fliehen. 62 von insgesamt 80 beteiligten wurden gefasst, das Schicksal der anderen ist ungeklärt.

In den 29 Jahren als US Hochsicherheits-Gefängnis gab es 14 Fluchtversuche mit insgesamt 34 Gefangenen. Es gab aber keinen bekannten erfolgreichen Ausbruch. 25 Flüchtige wurden lebend gefasst, 6 während des Fluchtversuchs erschossen, 5 Flüchtige sind bis heute verschwunden und vermutlich in der eiskalten Bucht ertrunken.

Die Flucht von Alcatraz - Eine wahre Begebenheit

Die bekannteste Flucht aus Alcatraz, deren Ausgang noch immer (zumindest inoffiziell) ungeklärt ist, geschah am 11. Juni 1962.

In dieser Nacht verschwanden die Insassen Frank Morris und die beiden Brüder John und Clarence Anglin aus ihren Zellen. Die drei Männer konnten sich ihren Weg durch die Belüftungsgitter ihrer Zellen freigraben. Der von Salz und Feuchtigkeit stark angegriffene Mörtel war so brüchig, dass sie sich, mit geschmuggelten Essbestecken aus massivem Stahl, leicht “durchkratzen” konnten. Sie gelangten über den großen Lüftungsschacht und das Dach des Zellenblocks schließlich nach außen und verschwanden mit einem Schlauchboot, dass sie aus Regenmänteln und Klebstoff selbst gebaut hatten. Ihr Verschwinden wurde erst am nächsten Morgen bemerkt, als sie bereits einen Vorsprung von über neun Stunden hatten.

Teile ihres Schlauchbootes und ihrer Schwimmhilfen wurden an Land gespült bzw. von Fischern geborgen. Die 1979 abgeschlossene FBI-Untersuchung geht von Tot durch ertrinken aus.
So ist bis heute ungeklärt, ob sie es geschafft haben oder nicht.

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